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Tag 5, schon!
23. July 2012 | Paléo Festival
Mit dem Zug und meinen Begleitern geht’s direkt ans Paléo. Der Tag beginnt ausgezeichnet: Mein Blick bleibt am Typen neben mir hängen. Ziemlich gutaussehend, der Junge.
Es ist 18:00 Uhr. The Kills: ein Panther in der Mitte eines szenischen Käfigs. Elektrisch, tierisch. Es müsste Nacht sein damit diese Ode geprägt von Laszivität und Hedonismus ihre volle Wirkung richtig entfalten kann. Wir nehmen sie trotzdem gern.
Garbage oder Airnadette? Die „Richtige“ oder die „Falsche“ Band? Der König aller US Produzenten hinter dem Schlagzeug oder die Nachahmer eines super US Produzenten, welcher Playback spielt? Ich entscheide mich für das Explosive und den Humor. Ich bin noch jung und Garbage ist eher Musik von gestern, nicht? Es ist Rock, es ist Musikkult und es endet mit der Krönung irgendwo zwischen den Queens of the Stone Age und der Boyband East 17. Ich notiere: nie mehr verpassen.
Ich fühle mich immer noch völlig benebelt von diesem Auftritt und merke: es ist Zeit, etwas zu essen - und für ein kühles Bier. Ich entscheide mich fürs Exotische, für libanesische Spezialitäten. Schliesslich muss man lernen, sich für Delikatessen aus anderen Ländern zu öffnen. Blablabla. Ich muss meine Illusionen aufgeben: Das Menu hier ist Kebab oder Falafel. Denn erneut eine gefühlte Ewigkeit anzustehen, um etwas anderes zu ergattern, danach ist mir grad überhaupt nicht!
Schlussendlich ist das türkische Zeugs nicht mal so schlecht. Mein Nervensystem entscheidet sich nun aber gerade, den Fokus von den Geschmacksknospen zu entfernen. Volle Kraft auf die Augen, meine Pupillen zappeln: Der schöne Junge aus dem Zug steht plötzlich wieder neben mir.

Ab zu den Cardinal-Containern. Da lass ich mich nicht lumpen und bestell gleich vier Bier. Und nun passierts: Ich bekomme den legendären Cardinal-Hut! Wow! Jeder trägt ihn, das ist der Look des Paléos. Jetzt gehöre ich auch dazu. Genial! Auf der Terrasse der Cardinal Bar entdecke ich neben der Flavour Bar auch noch die Fotodose. Die Besucher lieben das Ding. Schon noch erstaunlich, wie viele Menschen in diesem Fotoautomaten Platz finden. Man türmt sich für das beste Gruppenfoto – und lacht sehr viel dabei.
Es ist 21:30 Uhr und ich bin eingeengt im Club Zelt. Mit GiedRö steht da eine Ausserirdische auf der Bühne. Wie kann eine so schöne Frau im Abendkleid so dermassen grässlich einfahren. Es funktioniert, irgendwie. Die Menge ist ausgelassen, ich auch. Die Männer haben sich alle verliebt, ich mich auch (aber nicht in sie). Die sensiblen Seelen sind geschockt, nicht meine.
Jetzt ist fertig mit Humor in der dritten Person, ich breche auf und gehe die Gitarre suchen. Die Richtige. Und ich werde fündig: Bloc Party gleich schwungvoller Pop. Sehr vitaminhaltig. Der schöne Kele Okereke ist in Topform und übergiesst das Publikum mit seinem Charm. Oder bin ich nicht ganz objektiv? Die Melodie ist jedenfalls heiss und das Schlagzeug hypnotisierend. Die wenigen neuen Lieder sind super. Vor allem die neue Single "Octopus. Ich hoffe auf ein viertes Album.
Heute gehe ich nicht zur Hauptbühne. Viel lieber schwebe ich zu den Beats von Agoria über dem Paléo. Ich tanze und vergesse. So ist das Leben, so ist das Leben.
Absturz, fertig schweben, alles nervös. Der heisse Typ vom Zug ist plötzlich wieder hier. Er tanzt unmittelbar vor mir und lacht mich an. Gerne hätte ich diese Nacht beantwortet, ob er ein wirklicher Draufgänger oder bloss der Schönling ist. Aber das geht nicht. Zu betrunken ist er, um das rauszufinden. So habe ich nichts mehr hier verloren.
Ein Tag voller Liebeshoffnungen und absurden Fantasien. Ein verlorener Tag. Das Paléo ist eben auch das.
Hängen bleibt aber das Gute und Schöne am fünften Tag. Und die Gitarre.
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Die Braut / la meuf

Festival geht, Cardinal bleibt. Nicht schlecht Frau Specht. Gott sei dank, Pat Burgener zeigt Fleisch.
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